Sucht und Kriminalität vorbeugen:
Effektive Prävention an Schulen

Erfahrungen mit Achtsamkeitstraining im Gefängnis

Christiane Merz, Pädagogin in der JVA Wuppertal-Vohwinkel:

„Seit 5 Jahren begleite ich als Pädagogin einen Kurs Achtsamkeitstraining im Gefängnis.
Es handelt sich dabei um eine Bildungsmaßnahme, die dem Ziel der Resozialisierung dient, sich aber grundsätzlich von allen anderen Programmen unterscheidet.

Üblicherweise geschieht Lernen, indem Menschen sich Kenntnisse, Erkenntnisse, Wissen und Fertigkeiten zu einem bestimmten Fachgebiet aneignen.

Im Achtsamkeitstraining ist die Blickrichtung eine andere. Das Lernobjekt befindet sich  nicht im Außen, sondern es ist die Persönlichkeit des Lernenden selbst und ihre Funktionsweise, die erforscht wird.

In einem geschützten Rahmen werden die Kursteilnehmer angeleitet, zur Ruhe zu kommen, ihren Atemrhythmus sowie Körperempfindungen zu spüren, ihre Gedanken und Gefühle wahrzunehmen und im Weiteren ihre Glaubenssätze, Überzeugungen, Lebensauffassungen und Wertmaßstäbe zu erkennen und zu betrachten.

Das geschieht in einer akzeptierenden Weise.

Allein durch angeleitetes Wahrnehmen in Ruhe, was für fast alle Teilnehmer neu und ungewohnt ist,  erleben viele von ihnen schon nach kurzer Zeit eine mentale Beruhigung, eine Reduktion von Aggressivität und Stressgefühlen.

Diese Veränderung ist so deutlich, dass sie von Außenstehenden (anderen Gefangenen, Mitarbeitern, Angehörigen) wahrgenommen und rückgemeldet wird.

Diese Gelassenheit bildet die Basis, um in der Gruppe in einem Rahmen von wechselseitigem Respekt und Wertschätzung bisherige Überzeugungen und Lebensführung  bewusst und auch kritisch ansehen zu können.

Insgesamt werden im Verlauf des Achtsamkeitstrainings  bemerkenswerte Übungsergebnisse  sichtbar:

  • Selbst-  und Außenwahrnehmung der Kursteilnehmer gelingen klarer und weniger emotionsgesteuert.
  • Kontakte mit anderen Menschen entspannen sich, werden freundlicher.
  • Die Erkenntnis entsteht, dass Überzeugungen und Glaubenssätze veränderbar sind.
  • Destruktivität im Denken und Handeln nimmt ab zugunsten einer positiveren Lebenshaltung sich selbst und anderen gegenüber.
  • Hoffnung reift, dass durch eigene Bemühungen eine bessere Lebensführung gelingen kann.
  • Bereitschaft entsteht, einen Beitrag zu leisten für eine Teilhabe am gemeinschaftlichen Leben.

Auch wenn die Gruppenteilnehmer sich sehr unterschiedlich einbringen, so wurden die Übungen von niemandem bisher als nutzlos erachtet.

Aufgrund dieser Beobachtungen kann das Achtsamkeitstraining als wirksame Methode der Persönlichkeitsbildung und Werteerziehung gelten und somit die etablierten Resozialisierungsmaßnahmen des Strafvollzuges ergänzen und bereichern.

Besonders in den Bereichen Sucht- und Gewaltproblematik dürfte eine Verringerung der Rückfallquoten erwartet werden, wenn allen Betroffenen ein entsprechendes qualifiziertes Angebot zur Verfügung stünde.

Lesen Sie die ausführliche Version des Erfahrungsberichtes hier: